Psychologie „Angst ist ein evolutionärer Vorteil“: Wie du dich trotzdem nicht überwältigen lässt

Geht es dir auch so? Manchmal möchte man einfach den Kopf unter die Bettdecke stecken und die Augen vor der Welt (und den aktuellen Nachrichten) da draußen verschließen. Erst Corona, jetzt der Krieg in der Ukraine – irgendwie fühlen wir uns gerade von allen Seiten bedroht. Die psychosozialen Beratungsstellen der Hochschulen verzeichnen bereits seit einiger Zeit einen deutlichen Anstieg an Student:innen, die Gesprächsbedarf haben.  Auf vielen lastet zusätzlich Druck durch ein gestiegenes Arbeitspensum im Studium und durch finanzielle Nöte.  

Bernd Köhnlein ist Coach und Experte für die Bewältigung von spezifischen Ängsten und Leistungsblockaden. Er hat bereits vielen Menschen durch angstvolle und stressige Zeiten geholfen und weiß, mit welchen Tricks wir schneller wieder zu uns finden können. 

Herr Köhnlein, jeder von uns geht unterschiedlich mit subjektiv bedrohlichen und angstmachenden Situationen um. Welche verschiedenen “Angst-Typen” gibt es? 

Grundsätzlich wird unterschieden zwischen Ängsten vor eigentlich ungefährlichen Objekten oder Situationen: die Angst vor Bewertung, ungewollter Aufmerksamkeit, Prüfungen, Insekten, Höhe oder dem Fliegen mit dem Flugzeug. Dann gibt es Ängste, die nicht auf bestimmte Umgebungssituationen oder Objekte bezogen sind, also scheinbar ohne erkennbare Auslöser auftreten wie z.B. eine Panikstörung oder eine generalisierte Angststörung. 

Welche Tipps würden Sie den verschiedenen Typen geben und welche Stärke können sie individuell aus ihrer Angst ziehen? 

Angst empfinden zu können, ist erst einmal ein evolutionärer Vorteil, der Leben retten kann. Sie kann uns motivieren oder antreiben und genauso gut lähmen oder zu einem Vermeidungsverhalten führen. Das Gegenstück zur Angst ist übrigens Vertrauen. Wir tun dann etwas, obwohl wir Angst haben, kommen eher in die Aktivität oder halten mal inne. Man kann dann untersuchen, was eigentlich los ist und entsprechend handeln. Es geht nicht immer nur darum, Angst zu verhindern, sondern eher darum, übertriebene Ängste zu reduzieren.  

Was macht uns im Alltag besonders viel Angst?

Back to Campus: Freunde finden gegen die Einsamkeit

Dir fällt es schwer, neue Leute kennenzulernen? Keine Sorge, damit bist du nicht allein. Manchmal braucht es aber nur einen Stupser in die richtige Richtung. Den findest du in unserem Youtube-Video.

Besonders fürchten wir Ablehnung von außen. Die Angst vor Einsamkeit oder Ausgrenzung ist daher besonders stark in uns angesiedelt. Als Ursache werden evolutionäre Gründe diskutiert, da eine Ausgrenzung aus einer Gemeinschaft für unsere weit entfernten Vorfahren ein Todesurteil war. 

Gerade angesichts der aktuellen Krisen in der Welt fühlen sich viele Menschen hilflos und verzweifelt. Wie können wir mit solchen Gefühlen besser umgehen? 

Wie wäre es mal mit „Nachrichten fasten“? Ähnlich wie beim Fastfood kann ich auch bei Nachrichten selbst entscheiden, was ich konsumiere. Achtsam essen, achtsam informieren. Das ist Teil meiner persönlichen Freiheit. Es dringen trotzdem noch genügend Nachrichten zu uns durch, wir werden also schon noch etwas mitbekommen von der Welt.  

Wir können jedoch die Menge, Qualität und das Tempo steuern, in dem wir neue Informationen aufnehmen. Durch den permanenten Überkonsum pessimistischer Nachrichten rutschen wir immer mehr in eine erlernte Hilflosigkeit rein und glauben dann, wir könnten nichts mehr machen, was zu einer gewissen Resignation und zu negativen Zukunftsgedanken führen kann.  

Bernd Köhnlein

Bernd Köhnlein

Coach

Das Wort Nachrichten hat ja auch etwas von „sich nach etwas richten“. Sind das also immer Nachrichten, aus denen ich eine sinnvolle Handlung ableiten kann? Oder bloß beängstigende Informationen? Wichtig finde ich deshalb auch Sprachhygiene: bin ich hilflos oder kann ich was machen? Selbst zu wählen, was und wie ich mich informiere, gibt mir schon wieder ein Stück Kontrolle zurück. Kaue also Deine Nahrung, nicht Deine Sorgen.

 Gleichzeitig sollten wir immer den eigenen Einflussbereich erweitern und nicht nur den Interessensbereich: Was kann ich hier und jetzt tun? Was hilft mir, wenn ich Angst habe? Was ist mein Bedürfnis? Wie kann ich eigenes oder fremdes Leiden lindern?  

Darüber sprechen sorgt in der Regel sofort für Erleichterung. Oder man engagiert sich bei Hilfsorganisationen oder passt seine eigene Lebensführung an und fragt sich: was tut mir gut und was entspannt mich eher? Empfehlenswert sind also alle Gedanken, Gespräche und Taten, die den eigenen Einflussbereich erhöhen und dazu beitragen, eine Gesellschaft zu entwickeln, bei der jeder Lust hat, dazuzugehören. Dafür sollten wir unsere Kraft und unseren Mut aufwenden. 

Stichwort “Mental Load” – gerade Student:innen kommen aus ihrem Hamsterrad oft nicht hinaus. Wie merke ich, dass es zu viel wird und was können gerade junge Menschen (ohne viel Geld) tun, um inneren Ballast loszuwerden? 

Derzeit ist es wirklich etwas viel. Da eignen sich vielleicht Dinge, die über das Studium hinausgehen und sofort ein besseres Gefühl machen und so ein Gegengewicht bilden: Sport treiben, ein Instrument spielen, in die Aktivität kommen, Dinge zum Ausdruck bringen, sich das Elend von der Seele schreiben, eine Mutgruppe gründen. Dann ist man erstmal mit anderen Dingen beschäftigt und erlebt einen Ausgleich. Und rechnet immer mit allem, sogar mit dem Guten. 

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